pRODUKTION

Woanders leben

nach dem gleichnamigen Roman von Marisa Fenoglio

Regie Manuela Naso

Stück

"Signora, möchten Sie mit Ihrem Mann nach Deutschland gehen? Unsere Firma hat Expansionspläne in Europa!" – Selbstverständlich folgt Marisa ihrem Mann, einem aufstrebenden Manager, ins Niederhausen der 50er Jahre. Er macht Karriere, baut für den berühmtesten Schokoladenkonzern Italiens die Deutschland-Zentrale auf und trägt seinen Teil zu dem Nachkriegsdeutschland bei, dessen Wirtschaftswunder tausenden Gastarbeitern Glück und Wohlstand versprechen wird. Doch für Marisa – deren Brüder als Partisanen gegen Hitlers Soldaten kämpften – ist Deutschland Feindesland, die deutsche Sprache kalt, fremd und ohne Sinnlichkeit.

In „Woanders leben” wird die Bühne zur Baustelle, auf der die Protagonistin, ganz auf sich gestellt, am Projekt Heim-Herd-Familie arbeitet. Sie beobachtet ihre Nachbarinnen, versucht sie zu imitieren, ist überrascht von deren starker Kontrolle über die Kinder und verwundert über die ausgesuchte Gemütlichkeit des deutschen Wohnzimmers.

„Wohnzimmer – das Wort würde ich aber ändern. Es ist hässlich, ein bisschen pompös. Vielleicht. Man kann nicht wissen, wohin mit dem Akzent. Du sprichst es auch falsch aus...” In Schlaglichtern erscheinen Sentenzen deutscher Geschichte, italienische und deutsche Lieder geraten ineinander und durcheinander oder harmonieren überraschenderweise. Marisa nimmt im Spiel von Lucia Chiarla – Drehbuchautorin und Schauspielerin des Films „Bye Bye Berlusconi” – erst widerwillig, dann aber leidenschaftlich die deutsche Sprache in Besitz, verabschiedet sich von der ostentativ verkündeten „Deutschlandunverträglichkeit” und beleuchtet – mal spöttisch ironisch, mal resignativ, vor allem aber pointiert komisch – Reibungspunkte, und unvermutete Ähnlichkeiten der beiden Kulturen. Doch die Heimat als verlorenes Paradies wird sie nicht wiederfinden. Nur in einer zersplittert bleibenden Identität wird es ihr gelingen heimisch zu werden.

Autorin

Marisa Fenoglio wurde in Alba geboren und lebt seit 1957 in Deutschland. In Turin absolvierte sie ein naturwissenschaftliches Studium. Ihre Romane „Casa Fenoglio” (1995), „Vivere altrove” (1997) und „Mai senza una donna” (2002) sind im Sellerio-Verlag erschienen, “Viaggio privato” (2004) bei Araba Fenic. In deutscher Sprache hat sie das Hörspiel „Helix pomatia” und einige Erzählungen verfasst.

Aufführungen

Uraufführung, 22.11.2007
Orphtheater Berlin, in Anwesenheit der Autorin M. Fenoglio

24.02.2008
HEBBEL am Ufer - HAU 3, Berlin, 100° Berlin Festival

Bildergallerie

Photo: Christian del Monte

Video

Woanders Leben/Vivere altrove [hier ansehen]

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Mit
Lucia Chiarla

Bühne/Kostüm
Iren Pascual

Video
Irene Pascual und Paco Vallejo

Dramaturgie
Lucia Chiarla und Manuela Naso

Tonbearbeitung
Fabian Schmidt

Überstezung
Carola Grossmann

Produktion
Anna Hase und Kirsten Wandschneider

Photos
Christian del Monte

28/11/2007 MON MONDE/ MEINE WELT

Dokumentarfilm von Isabelle Foucrier & Christian Stahl

(Fr./D 2007, 65min) Deutsche Erstaufführung & aktueller filmischer Beitrag zum Thema WOANDERS LEBEN. Anschließend Publikumsgespräch mit Christian Stahl und der Protagonistin Anja Breljak. Karten: 4,-€

Uraufführung in Anwesenheit der Autorin am Donnerstag den 22. November 20:00 Uhr.

anschließend Publikumsgespräch mit Marisa Fenoglio, Manuela Naso und Lucia Chirala. Moderation: Andrea Dernbach - Tagesspiegel.

Lucia Chiarla

Die Schauspielerin Lucia Chiarla stellte mit „Bye, bye Berlusconi” 2006 – im Rahmen des „Panorama Spezial” auf der Berlinale 2006 – ihren ersten eigenen Film vor (Hauptdarstellerin und Co-Autorin mit Jan Henrik Stahlberg).

© 2009 Teatro Instabile Berlino e.V., Stresemannstr. 34, 10963 Berlin

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